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Die Nabelschnurtasche
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Die Tradition der Nabelschnurtasche:

Die Nabelschnur bildet die Verbindung zwischen Mutter und Kind in der Gebärmutter. Oft wird sie achtlos weggeworfen. Die indianischen Naturvölker haben eine starke Verbindung zwischen dem Leben des Menschen, seiner Rolle in der Gemeinschaft, der Natur und besonders den Tieren sowie ihren Symbolen und den indianischen Sternbildern gekannt. So gibt es eine Gruppe von Sternen mit dem Namen Schildkröte und ein anderes Sternbild, das Eidechse oder Salamander heißt. Im folgenden wird eine Zeremonie zur Segnung eines Kindes nach der Geburt, die Herstellung und Bedeutung einer Nabelschnurtasche und die Präparierung der Nabelschnur beschrieben.


Die Bedeutung der Nabelschnurtasche:

Die Nabelschnur ist nicht nur ein wichtiges Symbol für die tiefe und starke Bindung eines Menschen zu seiner Mutter, sondern auch des Menschen zur Mutter Erde. So war in vielen indianischen Sprachen das Wort für MENSCH dasselbe wie für ERDE und eine Trennung zwischen den Menschen und dem Land ihrer Ahnen war undenkbar, das Land war wie das eigene Leben unverkäuflich. Umso schlimmer war das Vorgehen der Europäer, die Land besaßen, kauften und verkauften, erschlichen und raubten und so eine ganze Kultur ihrer Grundlage entzogen. Dieses Verbrechen ist nicht wieder gut zu machen. Dieses kulturelle Erbe zu ehren und zu wahren ist unser Ziel.

Es wurden zwei Arten von Nabelschnurtaschen hergestellt, eine Schildkröte für ein Mädchen und eine Eidechse für einen Jungen. Die Schildkröte steht für Geborgenheit und Schutz wegen ihres harten Panzers und für ein langes Leben. Sie steht für Stärke und Stabilität.

Der Geist der Eidechse hingegen ist wandelbar und wendig. Er steht für lebenslanges Wachstum und er kann für sich selber sorgen, da er, wenn er gejagt wird, seinen Schwanz abwirft. Später wächst wieder ein neuer. Er ist sehr beweglich und sehr schnell, Eigenschaften, die für einen indianischen Jäger lebensnotwendig waren. Aber auch auf die heutige Zeit übertragen, die Flexibilität und Wandlungsfähigkeit voraussetzt, bleibt der Salamander ein starkes Symbol. Manchmal wurde für Jungen auch das Symbol der Schlange gewählt.

Die Nabelschnurtasche wurde bis zum Tod bei sich getragen und dann mit ins Grab gegeben. In anderen Traditionen trug die Mutter die Nabelschnurtasche oder sie wurde an der Wiege des Kindes befestigt. Die Nabelschnur sollte das Kind im Leben beschützten, so wie sie es vor der Geburt mit Sauerstoff versorgt und ernährt hatte. Symbol und Bedeutung werden hier eins. Die von uns geschaffene Realität ist Symbol unserer Gedanken. Später trugen die Mädchen oder Frauen ihre Nabelschnurtaschen oft am Gürtel befestigt, die Männer in ihren Medizinbeuteln oder am Haarschmuck befestigt. Man gab außer der Nabelschnur auch Salbei oder Tabak oder andere Kräuter bei und stopfte das Amulett mit Bisonhaar aus.

 

Die Präparierung der Nabelschnur:

Die Nabelschnur, die bei der Geburt durchtrennt wird, wird oft achtlos weggeworfen. Äußert man vor der Geburt jedoch den Wunsch, sie aufzubewahren, wird darauf heutzutage gerne Rücksicht genommen. Oft verbleibt ein Stück Nabelschnur nach der Geburt am Nabel, fällt erst nach einigen Tagen ab. Sie wird täglich mit Peroxid oder Alkohol gereinigt. Man verfährt damit folgendermaßen: Man präpariert die Nabelschnur, indem man sie mit einem in Alkohol getränkten Wattebäuschchen reinigt. Sie wird an einem luftigen und trockenen Ort für einige Tage aufbewahrt. Geeignet ist z.B. eine Suppenschale, die mit einem Gazetuch abgedeckt wird. Kinder und Haustiere sind fern zu halten. Nach spätestens einer Woche sollte der Trocknungsvorgang abgeschlossen sein, das hängt etwas vom Klima ab.

 

Die Herstellung der Nabelschnurtasche:

Um eine traditionelle indianische Nabelschnurtasche herzustellen, benötigt man folgende Materialien:

  • sämisch gegerbtes Leder, ein kleines Stück von 10 x 20 cm reicht aus
  • einen verstellbaren Stickrahmen
  • Seedbeads der Größe 10/0 bis 12/0 in den gewünschten Farben
  • Nähseide, ein dünner Faden in heller Farbe und ein dickerer Baumwollfaden
  • ein Entwurf für ein Muster
  • eine selbstgefertigte Schablone für eine Schildkröte oder eine Eidechse
  • Wolle oder Tierhaar zum Ausstopfen

 

Man geht folgendermaßen vor:

Man sucht sich eine Vorlage oder entwirft eine eigene. Vorbilder kann man im Internet finden, am besten hält man sich an historische Abbildungen. Auch die Anordnung der Farben und der Perlen muss vorher geplant werden. Auf das Leder wird die Form der Stickerei übertragen. Die Größe der Amulette beträgt meist zwischen 6 und 16 cm.

Man spannt das Leder auf den Stickrahmen, ohne es zu sehr zu verzerren.

Es gibt für Perlenstickereien verschiedene Methoden. Empfehlenswert ist der Lazy Stitch, bei dem mehrere Reihen von je 4-5 Perlen übereinander gestickt werden oder der Overlay Stitch, bei dem mit 2 Fäden und Nadeln gearbeitet wird. Mit einer Perlfädelnadel fädelt man je eine Reihe Perlen auf, die dann mit der anderen Nadel mit dem dünneren Faden fixiert werden. Sorgfältiges Arbeiten ist für ein gutes Ergebnis unabdingbar. Schildkröten kann man auch in Form einer Rosette besticken. Modernere Indianer arbeiten auch Ton in Ton, obwohl das bei den historischen Replikaten nicht der Fall ist. Dort wurden stark kontrastierende Farben gewählt, in jeweils nur einem Farbton. Mit der Farbwahl kann man sich am indianischen Horoskop orientieren oder man nimmt die Farben seines Stammes. Ich wähle gerne das lichte Blaugrau der Schoschonen. Jungen wurden oft mit den Farben Rot und Gelb geschmückt, Frauen trugen eher die Farben Grün, Blau oder Weiß. Man kann aber auch die Lieblingsfarbe der Familie wählen, das ist so eine Art Stammesfarbe. Hat man die Perlenstickerei beendet, wird das Tier auf den Seiten und Hinten zugenäht, evtl. mit einer Perlenverzierung. Nun befüllt man das Tier und schließt die letzte Naht. Weitere Dekorationen mit Lederband, Perlen, Tin Cones und Pferdehaar sind möglich. Sie werden an den Extremitäten befestigt und neben dem Kopf für ein Halsband.

 

Beschreibung einer Zeremonie zur Geburt eines Kindes:

Die Geburt eines Kindes war und ist für die Indianer ein sehr wichtiges Ereignis. Jedes Kind ist ein Geschenk des Schöpfers und sollte geschützt werden. Um den Schutz zu gewährleisten, findet eine Zeremonie statt.

Um eine Zeremonie statt finden zu lassen, benötigt man: die Nabelschnur, den Nabelschnurbehälter, zwei Trommeln, zwei Handrasseln, ein paar Fußschellen sowie nahe stehende Verwandte und Freunde. Natürlich dürfen die Großeltern nicht fehlen.

Am besten ist es, in der Natur - also im Freien – zu feiern, da es aber oft zu kalt ist, geht auch die Wohnung.

Zur Vorbereitung für die Zeremonie werden die Trommeln und die Rasseln verteilt, die Fußschellen bekommt die Mutter, sie muss gehört werden, egal wo und was sie gerade tut. Sie und das Kind stehen an diesem Tag im Mittelpunkt. Die beteiligten Personen stellen sich in einem Kreis auf, die Großeltern mit dem Baby gehen in die Mitte des Kreises, die Eltern tragen eine Schale mit Flusswasser. Es muss Flusswasser sein, da es die Kraft des Fließens hat und somit dem Kind die Kraft zur Veränderung gibt. Sie gehen auch in die Mitte und reinigen das Baby mit dem Flußwasser.

In dieser Zeit nehmen die Großeltern die Nabelschnur und den Behälter und füllen ihn mit der Nabelschnur. Währen dies alles passiert, trommeln die Verwandten und die Freunde. Die Rasseln nicht vergessen, singen darf man auch. Wenn das Baby gewaschen ist und die Nabelschnur im Behälter ist, sprechen die Eltern und die Großeltern ein Gebet zum Schutz des Kindes in dem sie die sechs Himmelsrichtungen anrufen: Norden, Westen, Süden, Osten, Oben und Unten sollten gebeten werden, das Kind zu schützen. Das Trommeln und die Rasseln dürfen während der ganzen Zeit nicht ruhig sein. Wenn die Gebete gesprochen sind und das Baby gewaschen ist und die Nabelschnur ihren Behälter gefunden hat, geht die Party los. Essen und Trinken in der Gemeinschaft stärkt nochmal die Bindung. Eins bleibt dann noch zu tun, es muss ein Geschenk für eine arme Person besorgt werden, das man dann auch in die Hände eines armen Menschen gibt. So trägt man Sorge dafür, dass es dem Kind in der Zukunft an nichts mangelt.

Nun bleibt nur noch zu sagen, viel Spaß beim Feiern!

 

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