Vor langer Zeit gab es einen Streit unter den Sternen. Ein Stern wurde nach dem Streit aus seiner Heimat im Himmel vertrieben und auf die Erde verbannt. Dieser Stern wanderte von einem Stamm zum Nächsten und verweilte oft an den Lagerfeuern. Überall, wohin der Stern kam, betrachteten ihn die Menschen mit Staunen und Furcht. Oft streichelte er die Köpfe der Kinder, als wolle er mit ihnen spielen. Doch die Kinder hatten Angst vor ihm und vertrieben ihn durch ihr Geschrei.

Von allen Menschen auf der Welt hatte nur ein einziger keine Angst vor dem Stern. Das war ein Mädchen, die Tochter eines Kriegers aus dem Nordland. Sie fürchtete den Stern nicht, nein sie liebte ihn aus ganzem Herzen und war glücklich mit ihrer Liebe. Der Stern schien ihre Liebe zu erwidern, denn wo auch immer das Mädchen mit ihrer Familie durch die Wildnis wanderte, wanderte auch der Stern mit.

Die Menschen des Stammes wunderten sich über die Treue des Sterns. Sie wunderten sich um so mehr, als sie sahen, dass der Vater des Mädchens immer mit reichlichem Wild von der Jagd heimkehrte. „Der Stern muss der Sohn des guten Geistes sein“, sagten die Menschen.

Nach einigen Monaten kam der Spätsommer und die Früchte wurden reif. Eines Tages ging das Mädchen alleine in den Wald, um Beeren zu sammeln. Sie entdeckte, dass die Cranbeeries schon von den Vögeln und den Wapitis gefressen waren und da sie sah, dass die Preiselbeeren gerade reif wurden, lief sie mit ihrem Weidenkorb in ein großes Moor hinaus.

Aber im Dickicht der Preiselbeeren verirrte sich das Mädchen, voller Angst rief sie nach ihrem Vater. Doch die einzige Antwort, die sie bekam, kam von Fröschen und den Rohrdommeln. Selbst als es dämmerte, hatte sie den Weg noch nicht gefunden und wanderte immer tiefer und tiefer ins Dickicht des Sumpfes hinein. Mal fiel sie hin und ertrank fast am giftigen Schlamm, ein anders Mal sank sie förmlich ein, konnte sich aber befreien. Als es Nacht wurde, blickte sie zum Himmel auf in der Hoffnung, den Stern, den sie liebte, zu sehen. Doch der Himmel war bedeckt mit Wolken und ein Gewitter zog auf. Bald regnete es in Strömen, zum Entsetzen des Mädchens stieg das Wasser immer höher und schwemmte sie hinaus in den See. Niemand hat sie jemals wiedergesehen.

So vergingen einige Jahre, der Stern schien immer noch über den Lagerfeuern der Menschen, doch sein Licht wurde trübe und er blieb nie lange an einer Stelle. Es sah so aus, als hielte er nach etwas Ausschau, als würde er auf etwas warten, das nicht kommt.

„Er ist nicht glücklich, er trauert noch um das Mädchen, das nie wiederkam und das er so liebte“, so sprachen die Menschen untereinander.

So ging wieder ein Jahr ins Land und der Stern verschwand mit den Herbstblättern. Der Winter, der nun folgte, war hart und lang. Der folgende Sommer dagegen war der heißeste, den die Chipewyans jemals erlebt hatten. In genau diesem Sommer folgte eines Abends ein junger Jäger einem Bären in einen der größten Sümpfe im Land der Chipewyans. Zu seinem Erstaunen erblickte er plötzlich ein Licht, das anscheinend über dem Wasser hing. Es war so schön, dass er dem Licht lange folgte, doch führte es ihn zu sehr gefährlichen Stellen, so dass er schließlich aufgab und zurückkehrte, um seinen Leuten zu erzählen, was er gesehen hatte.

Da erklärte ihm der älteste Mann des Stammes: “Das Licht, das du gesehen hast, ist der Stern, der aus dem Himmel vertrieben wurde. Auch jetzt wandert er über die Erde und hält nach dem Mädchen, das er liebte, Ausschau.“

Auch heute noch ist dieser Stern ganz dicht bei der Erde. Oft wird er von Jägern, die nachts durch die Wildnis streifen, gesehen!

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