In einer Zeit vor unserer Zeit, als die Erde noch jung war, geschah einst, dass der Coyote, das Stinktier und die Wölfe den Lachs töteten, dessen Frau gefangen fortschleppten und den Lachsmann verspeisten. Unbemerkt von ihren Feinden hatte die Lachsfrau eines ihrer zahllosen Eier verloren. Als der große Geist sah, was dort auf Erden geschah, sendete er einen großen Regen, der so lange anhielt, bis das winzige Ei durch die Fluten zurück in den Fluss geschwemmt war. Dort schwamm es mit der Strömung und wurde bald zu einem mächtigen Lachs. Als der junge Lachs erwachsen war und sich stark genug fühlte, begab er sich auf die Suche nach seinen Eltern, denn irgendwo mussten sie doch sein. So stieg der Lachs aus dem großen Fluss, nahm die menschliche Gestalt an und folgte dem Pfad, der vom Ufer fort ins Land führte. Nach einiger Zeit traf er das Waldhuhn, dass sich vor seinem Anblick fürchtete. „Hab keine Angst“, sprach er das Huhn an. „Ich suche meine Eltern. Ich bin der Lachs vom Fluss dort“. Das Huhn warnte ihn und sprach: „Dort hinter der Anhöhe wohnen der Coyote und das Stinktier, die haben deinen Vater verspeist und deine Mutter gefangen“. Als der Lachs das hörte, machte er sich gleich auf den Weg, um diese beiden Räuber aufzusuchen. Das Waldhuhn, das ihm noch immer erschrocken nachsah, rief ihm zu: „Sei vorsichtig, denn im nächsten Dorf wohnen die Wölfe, die ebenfalls bei dem Überfall auf deinen Vater beteiligt waren. Mit ihnen bändel lieber nicht an, denn sie sind wilde Gesellen“.

Nach einer Weile kam der Lachs an eine Erdhütte, in der der Coyote und das Stinktier wohnten. Die beiden Räuber fühlten sich sehr sicher, denn sie sagten sich, dass kein Lachs so weit aufs Land käme, denn Fische gehörten nun einmal ins Wasser. Als sie daher den Mann kommen sahen, waren sie sehr erstaunt und der Coyote flüsterte: „Mir schwant nichts Gutes, doch lass mich nur machen. Irgendwie werden wir uns schon aus der Klemme helfen“. Kaum hatte der Lachs seinen Namen genannt, als der Coyote und gleich darauf auch das Stinktier in Tränen ausbrachen. Sie konnten nicht genug tun in ihrer Trauer und versicherten immer wieder: „Sieh uns an, seit dein Vater starb haben wir weinen müssen! Stinktier hier hat vor lauter Trauer kaum aus den Augen schauen können, während ich meinen Appetit völlig verloren habe. Oh, dein armer Vater! Welch ein braver Mann, welch großer Krieger! Wirklich ein Jammer, dass er hat sterben müssen“!

Der Lachs wusste, was er von den beiden zu halten hatte, er glaubte ihnen kein Wort. Er durchschaute die Lügen und erwiderte: „Nun gut, wenn ihr beide so ein schlechtes Gewissen habt wegen eurer schrecklichen Tat, so habt ihr sicher nichts dagegen, dass ich mir die Waffen meines Vaters zurückhole, die ihr ihm abgenommen habt, als ihr ihn umbrachtet“. Der Coyote tat sehr erstaunt, wagte aber nichts zu sagen, sondern nahm einen Bogen von der Wand und reichte ihn dem Lachs. Der drehte die Waffe nur einmal in den Händen, da zerbrach der Bogen.

„Dies ist nicht die Waffe meines Vaters!“ sprach der Lachs. „Gebt mir meines Vaters Bogen!“Der Coyote und das Stinktier boten dem Lachs weitere Waffen an, aber keine war die Waffe seines Vaters, denn die Waffen, die er bekam, zerbrachen alle, so wie er sie in die Hand nahm. So kam es, dass der Lachsmann sehr böse wurde, er warf dem Coyoten die Stücke an den Kopf und meinte: „Wenn ihr glaubt, mich betrügen zu können, so werdet ihr sehen, dass es euch sehr schlecht ergehen wird!“

Nach dieser Ansage erhielt er den geforderten Bogen, der diesmal nicht in seinen Händen zerbrach. Freudig rief er: „Ihr habt meinen Vater getötet, denn von euch habe ich seinen Bogen wiedergewonnen“! Nachdem er das sagte, ergriff er das Stinktier und warf es mit aller Kraft zwischen die Berge. „Von nun an soll das deine Heimat sein, dort zwischen den Bergen, wo kaum die Sonne scheint und kein anderes Wesen wohnen möchte. Nie mehr sollst du an den Fluss kommen und andere Wesen belästigen“.

Der Coyote blieb nicht verschont, der Lachs ergriff den Coyoten, schleppte ihn hinunter an den Fluss und sprach: „Von nun an sollst du am Ufer wohnen, dich von toten Fischen ernähren und nur das fressen dürfen, was sonst keiner haben will“. So bestrafte der Lachs zwei der Schurken, die seinen Vater getötet hatten. Nach einer Weile zog der Lachs wieder los, um seine Mutter zu finden, diesmal wollte er zu den Wölfen. Bei dem Stinktier und dem Coyoten war seine Mutter nicht, daher mussten die Wölfe sie versteckt halten. Nach einer langen Wanderung kam er an eine Hütte, dort lauschte er eine Weile, um festzustellen, wer darin wohnte, plötzlich hörte er eine Frau weinen. Schnell trat er in die Hütte, während die erschrockene Frau ihn sogleich als ihren Sohn erkannte. „Deinen Vater haben die Wölfe erschlagen“, sagte sie, „mich halten sie gefangen, obwohl sie mich ihre Frau nennen. Selbst dir werden sie weh tun, wenn du nicht gleich gehst. Das ist nämlich ihr Haus, gleich müssen sie wieder da sein. Gehe also so schnell du kannst zum Fluss hinunter“! Der junge Lachs aber tat nichts dergleichen, sondern setzte sich ans Feuer und sprach kein Wort. Nach einer kurzen Weile verwandelte er sich plötzlich in einen alten Mann. Kurz darauf erschienen die Wölfe, die alle Brüder waren, sie sahen sich den seltsamen Gast an und entschieden, dass er harmlos sein müsse, denn von einem alten Mann hatten sie nichts zu befürchten. Einer der Wölfe bemerkte: „Ich weiß nicht, aber es kommt mir so vor, als ob es hier nach Lachs riecht“! Doch die Lachsfrau erwiderte: „Da magst du recht haben, denn dieser alte Mann ist mein Vater und da ihr mich zu eurer Frau gemacht habt, ist er euer Schwiegervater. Lasst ihn in Ruhe, denn er ist müde.“ Die Wölfe betrachteten den alten Mann misstrauisch und der älteste meinte: „Bei uns muss jeder sehen, wie er durchkommt. Wenn der alte Mann bei uns bleiben will, muss er mitarbeiten. Er soll für uns Pfeile machen, denn Pfeile brauchen wir immer.“ Der alte Mann war einverstanden und antwortete: „Ich werde für jeden von euch Pfeile machen. Die besten Pfeile, die ich zu machen verstehe, will ich für euch machen, denn für euch ist das Beste gerade gut genug“. Der Lachsmann beschloss, für jeden der Wölfe einen Pfeil zu machen, mit denen er dann die Wölfe erschießen wollte, um seinen Vater zu rächen.

Am nächsten Morgen, als die Wölfe die Hütte verlassen hatten, verwandelte sich der Lachs wieder in einen jungen Krieger. Er nahm die fünf Pfeile zur Hand, die er zuvor als alter Mann während der Nacht gefertigt hatte. Er ließ seine Mutter zurück, um die Wölfe zu töten. Er suchte überall nach ihnen, aber es war keine Spur von den Wölfen zu sehen. Da ließ der Lachs seine Kräfte spielen und sofort versiegten alle Bäche und Flüsse, die Seen und Tümpel trockneten aus und nur an einer Stelle gab es noch eine Quelle, die weiterhin sprudeln durfte. Genau an dieser Stelle versteckte sich der Lachs zwischen ein paar Bäumen, er nahm den Bogen seines Vaters und wartete. Nun mussten die Wölfe ja kommen, weil sie sicher mittlerweile durstig geworden waren und ja, da kam bereits der erste Wolf. Als sich der Wolf über die Quelle beugte, ließ der Lachs das Wasser versiegen und schoss den ersten Pfeil ab. Getroffen sank der Wolf zu Boden und war tot, ohne dass er den Schützen auch nur gesehen hatte. Schnell säuberte er den Platz und versteckte den toten Wolf, dann versteckte er sich auf ein Neues. So geriet ein Wolf nach dem anderen in die Falle, so tötete er vier der Wölfe. Aber der vierte Wolf sah im Sterben den Lachsmann und mit seinem letzten Gedanken warnte der Wolf seinen Bruder. Der konnte entkommen. Als letzter seiner Sippe verschwand er im Wald.

So gibt es heute Wölfe, die von jenem Wolf abstammen. An der Quelle ließ sich dieser Wolf allerdings nicht mehr sehen. Sobald ein Wolf heute einen Menschen erblickt, läuft er davon, denn noch immer sitzt ihnen der Schock im Nacken, den ihnen der Lachs eingepflanzt hatte, als er fast die gesamte Wolfssippe ausrottete.

Nach getaner Arbeit ging der Lachs zurück zur Hütte der Wölfe, um seiner Mutter zu sagen, dass die Wölfe tot seien! Als er zurück war bemerkte er, dass seine Mutter schwanger war. Als sie aber fünf kleine Wolfskinder gebar, zündete der Lachs ein großes Feuer an und warf die jungen Wölfe in die Flammen. Am Flussufer verwandelte sich die Mutter in eine Trauertaube, denn das war ihre wirkliche Gestalt. Selbst heute noch kann man ihren traurigen Ruf hören, wenn die Lachse den Fluss rauf schwimmen, um an ihre Laichplätze zu kommen.

Die Mutter des jungen Lachskriegers blieb am Ufer zurück, während der Lachs in seinem Kanu den Fluss hinunter reiste. Keiner weiß, wie lange der Lachs so den Fluss hinunter paddelte, denn es gab damals noch keine Zeit. Als er dicht am Flussufer entlang trieb hörte er zwei Stimmen, die sich zu streiten schienen. „Du kannst aber nicht gerecht teilen!“ bemerkte die eine Stimme, „denn jede Seite sollte doch wohl einen Teil bekommen. Ich nehme an, dass wir auf jedes Teil ein Auge werfen sollten, auch auf die Ohren! Du kannst doch nicht einfach beide behalten wollen!“ Die zweite Stimme antwortete: „Warum denn nicht? Du hast doch auch die Nase für dich in Anspruch genommen als es ans Verteilen gehen sollte. Überhaupt, was soll der Streit, vorerst haben wir die Beute ja noch nicht!“ Der Lachs wunderte sich über eine solche Unterhaltung und fragte die beiden Raben, denen die Stimmen gehörten, worüber sie denn so uneins seien. Doch keiner der beiden Raben wollte mit der Sprache rausrücken. Aber schließlich erfuhr der Lachs, dass die beiden den Körper einer Frau verteilten, doch waren sie neidische Brüder, die keinem etwas gönnten. Da sprach der Lachs: „Geht und bringt mir die Frau, denn ich bin euer Häuptling. Wisst ihr nicht, dass der Lachs eingesetzt ist über alles Getier zu herrschen bis seine Herrschaft abgelöst wird von den Menschen, die eines Tages an den Fluss kommen werden? Die Frau, die ihr gefunden habt, ist meine Mutter, die Trauertaube. Aus Trauer über den Tod ihres Mannes vermag sie kaum noch zu leben. Sagt mir daher, wann ihr die Frau gefunden habt.“

Da sagten die beiden Raben: „Wenn dieser Mond beendet ist, sind es ein Mond und ein halber, dass wir die ganz abgemagerte Frau zwischen den Klippen am Fluss sahen. Inzwischen müsste sie tot sein, denn sie sah damals bereits halb tot aus und sie vermochte sich kaum auf ihren Beinen zu halten“.

Als die beiden Raben mit der Frau beim Lachs ankamen, begoss dieser die erschöpfte Frau fünfmal mit Fischöl und siehe da, mit einem Male war sie wieder so jung wie am Tag ihrer Hochzeit. Von ihr stammen alle Lachse der Welt, die noch heute den Fluss hinauf schwimmen, um im Lande ihrer Vorfahren zu sterben. Zu den Raben aber sprach der Lachs: „Von nun an sollt ihr als weise gelten und wenn die Menschen später zwei Raben streiten hören, dann werden sie sagen: „Sicherlich haben die beiden Vögel etwas gefunden, dass sich nicht teilen lässt.“ Hört nur, wie sie krächzen.

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